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Ratgeber · Arbeitszeugnis

Arbeitszeugnis Bewertung: Notenschlüssel für jede Kategorie

Welche Formulierung welcher Note entspricht, Kategorie für Kategorie, und wie Sie aus den Einzelnoten den Gesamteindruck Ihres Zeugnisses ableiten.

Die Arbeitszeugnis Bewertung folgt einem festen Notenschlüssel von 1 (sehr gut) bis 5 (mangelhaft), auch wenn keine Zahl im Text steht. Die Note lesen Sie vor allem an der Zufriedenheitsformel ab: „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ ist Note 1, „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ Note 2, „zu unserer vollen Zufriedenheit“ Note 3, „zu unserer Zufriedenheit“ Note 4 und „im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“ Note 5. Daneben hat jede Kategorie, vom Fachwissen bis zur Schlussformel, ihre eigene Skala.

Dieser Artikel zeigt den Notenschlüssel für jede Kategorie in Tabellen, erklärt den Rechenweg zum Gesamteindruck und wertet ein Beispielzeugnis Satz für Satz aus. Einzelne Sätze können Sie mit dem kostenlosen Werkzeug Arbeitszeugnis entschlüsseln sofort einordnen. Wer das ganze Zeugnis bewerten lassen möchte, kann sein Arbeitszeugnis prüfen lassen. Alle kostenlosen und bezahlten Wege stehen im Ratgeber Arbeitszeugnis kostenlos prüfen lassen: alle Wege im Vergleich.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Notenschlüssel statt Zahlen: Arbeitszeugnisse bewerten mit abgestuften Formulierungen. Note 1 bis 5 ergeben sich aus Zeitadverbien („stets“), Steigerungen („vollsten“) und Einschränkungen („im Großen und Ganzen“).

  • Drei Bereiche: Leistung (mit bis zu sechs Unterkategorien), Verhalten und Schlussformel. Ein stimmiges Zeugnis bewertet alle drei auf derselben Stufe.

  • Ankersatz: Die Zufriedenheitsformel fasst die Leistung zusammen und ist der erste Satz, den Personaler suchen.

  • Rechenweg: Leistung doppelt, Verhalten und Schlussformel einfach gewichten. Eine Lücke von einer ganzen Note in einem Bereich wiegt schwerer als der Durchschnitt.

  • Beweislast: Für eine bessere Note als 3 müssen Sie Ihre Leistung belegen, für eine schlechtere muss der Arbeitgeber seine Bewertung begründen.

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Arbeitszeugnis Noten: der Notenschlüssel der Zufriedenheitsformel

Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis muss nach § 109 GewO klar und verständlich formuliert sein und darf keine versteckten Aussagen enthalten. Gleichzeitig verlangt die Rechtsprechung, dass es wahr und wohlwollend ist. Aus diesen beiden Anforderungen ist die Zeugnissprache entstanden: Kritik steckt nicht in negativen Wörtern, sondern im fehlenden Lob. Der wichtigste Satz ist die Zufriedenheitsformel.

Note Zufriedenheitsformel So liest ein Personaler den Satz
1 – sehr gut „Sie erledigte die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.“ Herausragend und ohne Ausnahme
2 – gut „Sie erledigte die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit.“ Durchgehend gut, der häufigste Fall
2 – gut „Sie erledigte die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer vollsten Zufriedenheit.“ Gut, Spitzenniveau aber nicht durchgehend
3 – befriedigend „Sie erledigte die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit.“ Durchschnitt, bei Bewerbungen schon ein Nachteil
3 – befriedigend „Sie erledigte die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer Zufriedenheit.“ Durchgehend durchschnittlich
4 – ausreichend „Sie erledigte die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit.“ Unterdurchschnittlich, Warnsignal
5 – mangelhaft „Sie erledigte die ihr übertragenen Aufgaben im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit.“ Deutliche Mängel
5 – mangelhaft „Sie hat sich bemüht, die ihr übertragenen Aufgaben zu erledigen.“ Wille ohne Ergebnis, manche lesen das als ungenügend

Zwei Wörter trennen also sehr gut von befriedigend: Fehlen „stets“ und die Steigerung „vollsten“, rutscht derselbe Satz um zwei Stufen. Warum die Formel so gebaut ist und welche Varianten es gibt, erklärt der Artikel „zur vollen oder vollsten Zufriedenheit“. Was „bemüht“ bedeutet, steht im Beitrag „stets bemüht“ im Arbeitszeugnis.

Wie die Bewertung im Arbeitszeugnis aufgebaut ist

Die Zufriedenheitsformel ist nur der Ankersatz. Ein qualifiziertes Zeugnis bewertet Leistung und Verhalten getrennt, und jede Kategorie hat ihre eigene Abstufung. Die Reihenfolge ist üblich, aber nicht vorgeschrieben:

Bereich Kategorie Was bewertet wird
Leistung Leistungsbereitschaft Engagement, Eigeninitiative, Motivation
Befähigung Auffassungsgabe, Belastbarkeit, Problemlösung
Fachwissen Kenntnisse, ihre Anwendung, Weiterbildung
Arbeitsweise Sorgfalt, Selbständigkeit, Zuverlässigkeit, Tempo
Arbeitserfolg Ergebnisse, Qualität, erreichte Ziele
Führung (nur mit Personalverantwortung) Motivation des Teams, Delegation, Ergebnisse
Zufriedenheitsformel Zusammenfassung der Leistung in einem Satz
Verhalten Sozialverhalten Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitenden und Kunden
Schluss Schlussformel Beendigungsgrund, Dank, Bedauern, Zukunftswünsche

Was ein einfaches und ein qualifiziertes Zeugnis unterscheidet und welche Angaben Pflicht sind, erklärt der Ratgeber zum qualifizierten Arbeitszeugnis. Die folgenden Tabellen zeigen für jede Kategorie die übliche Formulierung je Note. Sie sind für eine Frau geschrieben, für einen Mann tauschen Sie die Pronomen.

Arbeitszeugnis Bewertung je Kategorie: Notenschlüssel Note 1 bis 5

Leistungsbereitschaft

Note Formulierung Erkennungszeichen
1 „Sie zeigte stets außergewöhnliches Engagement und überzeugte durch ihre sehr hohe Eigeninitiative.“ „stets“ und Steigerung
2 „Sie zeigte stets großes Engagement und hohe Eigeninitiative.“ „stets“ ohne Superlativ
3 „Sie zeigte Engagement und Eigeninitiative.“ Kein Zeitadverb, keine Steigerung
4 „Sie zeigte die erforderliche Einsatzbereitschaft.“ Nur das Nötige
5 „Sie zeigte im Großen und Ganzen Einsatz.“ Einschränkung

Befähigung: Auffassungsgabe und Belastbarkeit

Note Formulierung Erkennungszeichen
1 „Sie erfasste auch komplexe Zusammenhänge stets außergewöhnlich schnell und war auch unter höchster Belastung jederzeit sehr leistungsfähig.“ „stets“, „jederzeit“, „höchster“
2 „Sie erfasste neue Aufgaben stets schnell und sicher und war auch unter hoher Belastung stets leistungsfähig.“ „stets“, „hoher“
3 „Sie arbeitete sich schnell in neue Aufgaben ein und war belastbar.“ Sachlich, ohne Verstärkung
4 „Sie arbeitete sich in neue Aufgaben ein und war den üblichen Belastungen gewachsen.“ „üblichen“
5 „Sie war in der Lage, sich nach Anleitung in neue Aufgaben einzuarbeiten.“ „war in der Lage“, „nach Anleitung“

Feinere Abstufungen für das Lernen und Verstehen zeigt der Artikel zur Auffassungsgabe im Arbeitszeugnis.

Fachwissen

Note Formulierung Erkennungszeichen
1 „Sie verfügte über ein umfassendes und fundiertes Fachwissen, das sie stets sicher und zielgerichtet einsetzte.“ Zwei Adjektive, „stets“
2 „Sie verfügte über ein umfassendes Fachwissen, das sie sicher einsetzte.“ „umfassend“
3 „Sie verfügte über ein solides Fachwissen, das sie in der Praxis einsetzte.“ „solide“
4 „Sie verfügte über das für ihre Aufgaben notwendige Fachwissen.“ „notwendig“, „erforderlich“
5 „Sie verfügte über Grundkenntnisse in ihrem Arbeitsgebiet.“ „Grundkenntnisse“

Arbeitsweise

Note Formulierung Erkennungszeichen
1 „Sie arbeitete stets äußerst selbständig, sorgfältig und zuverlässig.“ „stets äußerst“
2 „Sie arbeitete stets selbständig, sorgfältig und zuverlässig.“ „stets“
3 „Sie arbeitete selbständig und sorgfältig.“ Ohne „stets“
4 „Sie arbeitete sorgfältig.“ Nur eine Eigenschaft
5 „Nach Anleitung erledigte sie ihre Aufgaben im Allgemeinen sorgfältig.“ „nach Anleitung“, „im Allgemeinen“

Arbeitserfolg

Note Formulierung Erkennungszeichen
1 „Sie hat unsere Erwartungen stets in allerbester Weise erfüllt.“ „allerbester“
2 „Sie hat unsere Erwartungen stets in bester Weise erfüllt.“ „bester“ ohne „aller“
3 „Sie hat unsere Erwartungen erfüllt.“ Ohne Zusatz
4 „Sie hat unseren Erwartungen entsprochen.“ „entsprochen“ statt „erfüllt“
5 „Sie hat unseren Erwartungen im Großen und Ganzen entsprochen.“ Einschränkung

Ein konkreter Erfolg mit Zahl wiegt mehr als jede Steigerung: „Unter ihrer Leitung sank die Bearbeitungszeit der Reklamationen von zehn auf vier Tage“ belegt eine sehr gute Leistung besser als drei Adjektive.

Führungsleistung

Note Formulierung Erkennungszeichen
1 „Sie führte ihr Team stets sehr motivierend und zielorientiert und erreichte mit ihm stets hervorragende Ergebnisse.“ „stets sehr“, „hervorragend“
2 „Sie führte ihr Team stets motivierend und zielorientiert und erreichte mit ihm gute Ergebnisse.“ „stets“, „gute“
3 „Sie führte ihr Team zielorientiert und erreichte die gesetzten Ziele.“ Sachlich
4 „Sie leitete ihr Team und erzielte die erwarteten Ergebnisse.“ „leitete“ statt „führte“
5 „Sie war um eine sachgerechte Führung ihres Teams bemüht.“ „bemüht“

Fehlt bei einer Person mit Personalverantwortung jede Aussage zur Führung, ist schon das ein schlechtes Zeichen. Beispiele für Team-, Abteilungs- und Bereichsleitung enthält der Ratgeber zum Arbeitszeugnis für Führungskräfte.

Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden

Note Formulierung Erkennungszeichen
1 „Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen sowie Kunden war stets vorbildlich.“ „stets vorbildlich“
2 „Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen sowie Kunden war stets einwandfrei.“ „stets einwandfrei“ oder „vorbildlich“
3 „Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen sowie Kunden war einwandfrei.“ „einwandfrei“ ohne „stets“
4 „Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen sowie Kunden gab keinen Anlass zu Beanstandungen.“ Nur das Fehlen von Problemen
5 „Ihr Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war im Wesentlichen korrekt.“ Vertauschte Reihenfolge, Einschränkung

Die übliche Reihenfolge lautet Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeitende, Kunden. Stehen die Kollegen vor den Vorgesetzten, deutet das auf Spannungen nach oben. Fehlen bei einer Stelle mit Kundenkontakt die Kunden, liegt der Verdacht nahe, dass es Beschwerden gab.

Schlussformel

Note Formulierung Erkennungszeichen
1 „Wir bedauern ihr Ausscheiden sehr, danken ihr für die stets sehr gute Zusammenarbeit und wünschen ihr für ihre berufliche und private Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg.“ Bedauern „sehr“, Dank, „weiterhin“
2 „Wir bedauern ihr Ausscheiden, danken ihr für die gute Zusammenarbeit und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg.“ Alle drei Bausteine
3 „Wir danken ihr für die Zusammenarbeit und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute.“ Bedauern fehlt
4 „Wir wünschen ihr für die Zukunft alles Gute.“ Kein Dank, kein Bedauern
5 Keine Schlussformel, das Zeugnis endet mit dem Datum des Ausscheidens Schweigen

Einen Anspruch auf Dank und gute Wünsche gibt es nicht, das hat das Bundesarbeitsgericht entschieden (BAG 11.12.2012 – 9 AZR 227/11). Personaler lesen das Fehlen trotzdem als Signal. Weitere Muster mit Beendigungsgrund enthält der Artikel zur Schlussformel.

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Rechenweg: So leiten Sie aus den Einzelnoten den Gesamteindruck ab

Eine gesetzliche Formel für die Gesamtnote eines Arbeitszeugnisses gibt es nicht. Personaler lesen das Zeugnis als Ganzes, gewichten die Leistung aber am stärksten. Mit diesen fünf Schritten kommen Sie zu einer belastbaren Einschätzung:

  1. Jeden Satz benoten: Ordnen Sie jeden bewertenden Satz einer Kategorie zu und vergeben Sie die Note aus den Tabellen. Beschreibende Sätze, etwa die Aufgabenliste, bleiben ohne Note.

  2. Leistungsnote bilden: Nehmen Sie den Mittelwert der Leistungskategorien und vergleichen Sie ihn mit der Zufriedenheitsformel. Weichen beide ab, gilt die Zufriedenheitsformel als Anker, die Abweichung notieren Sie als Bruch.

  3. Verhalten und Schluss benoten: Verhalten und Schlussformel erhalten je eine eigene Note.

  4. Gewichten: Faustregel: Leistung zählt doppelt, Verhalten und Schlussformel einfach. Rechnung: (2 × Leistung + Verhalten + Schlussformel) ÷ 4.

  5. Brüche prüfen: Liegt ein Bereich eine ganze Note unter den anderen, prägt er den Eindruck stärker als der Durchschnitt. Genau dort setzt eine Berichtigung an.

Für die Einordnung der Zwischenwerte gilt: bis 1,4 sehr gut, 1,5 bis 2,4 gut, 2,5 bis 3,4 befriedigend, 3,5 bis 4,4 ausreichend, ab 4,5 mangelhaft. Ein Wert von genau 2,5 liegt damit schon bei befriedigend.

Beispiel: ein Arbeitszeugnis Satz für Satz bewertet

Das folgende Zeugnis eines Projektkaufmanns ist erfunden, die Formulierungen sind typisch. Es klingt durchweg freundlich, erst die Zuordnung zeigt die Brüche.

„Herr Weber zeigte stets großes Engagement und hohe Eigeninitiative. Er erfasste neue Aufgaben stets schnell und sicher und war auch unter hoher Belastung stets leistungsfähig. Er verfügte über ein umfassendes und fundiertes Fachwissen, das er stets sicher und zielgerichtet einsetzte. Er arbeitete stets selbständig, sorgfältig und zuverlässig. Er hat unsere Erwartungen erfüllt. Er erledigte die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit. Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war einwandfrei. Herr Weber verlässt uns zum 31.03.2027. Wir danken ihm für die Zusammenarbeit und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.“

Kategorie Entscheidende Stelle Note
Leistungsbereitschaft „stets großes Engagement“ 2
Befähigung „stets schnell und sicher“ 2
Fachwissen „umfassendes und fundiertes … stets sicher und zielgerichtet“ 1
Arbeitsweise „stets selbständig, sorgfältig und zuverlässig“ 2
Arbeitserfolg „hat unsere Erwartungen erfüllt“ 3
Zufriedenheitsformel „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ 2
Verhalten „einwandfrei“ ohne „stets“, Kunden fehlen 3
Schlussformel Dank ohne Bedauern, kein Beendigungsgrund 3

Rechnung: Die Leistungskategorien ergeben (2 + 2 + 1 + 2 + 3) ÷ 5 = 2,0, die Zufriedenheitsformel bestätigt die 2. Mit Verhalten 3 und Schlussformel 3 ergibt die Faustregel (2 × 2,0 + 3 + 3) ÷ 4 = 2,5. Das Zeugnis liegt damit an der Grenze zu befriedigend, obwohl die Leistung gut ist.

Bewertung: Der Bruch steckt im Verhalten und in der Schlussformel. Herr Weber sollte „Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets einwandfrei“ verlangen, dazu den Beendigungsgrund „auf eigenen Wunsch“ und ein Bedauern in der Schlussformel. Er fordert damit nur die Note 2 ein, die das Zeugnis bei der Leistung selbst vergibt. Ein Zeugnis muss in sich stimmig sein, das stärkt seine Position.

Woran Personaler eine schwache Bewertung erkennen

Wie sich die Noten in der Praxis verteilen, zeigt unsere Arbeitszeugnis-Studie 2026: 89 % von 3.729 ausgewerteten Formulierungen waren „gut“ oder „sehr gut“, und doch enthielt jedes zweite Zeugnis mindestens eine schwächere Stelle. Neben der Notenskala achten erfahrene Leser auf Signale, die in keiner einzelnen Formulierung stecken:

  • Uneinheitliche Noten: Eine Note 1 beim Fachwissen neben einer 3 beim Verhalten wirkt wie verdeckte Kritik.

  • Auslassungen: Fehlt bei einer Kassiererin die Ehrlichkeit oder bei einer Teamleiterin die Führung, fällt das Schweigen auf.

  • Reihenfolge: Nebensächliche Aufgaben vor den Kernaufgaben oder Kollegen vor Vorgesetzten senken den Eindruck.

  • Passiv und Distanz: „Ihr wurden Aufgaben übertragen“ statt „Sie verantwortete“ klingt nach fehlender Eigeninitiative.

  • Bekannte Codes: „wusste sich gut zu verkaufen“ oder „Geselligkeit“ gelten in Ratgebern als versteckte Kritik. Die Liste steht im Artikel Geheimcodes im Arbeitszeugnis.

Typische Fehler beim Bewerten des eigenen Zeugnisses

  1. „Vollen“ und „vollsten“ verwechseln: Beim schnellen Lesen kaum sichtbar, und doch eine ganze Stufe.

  2. „Einwandfrei“ für Spitzenlob halten: Ohne „stets“ ist es beim Verhalten nur eine 3.

  3. Nur die Zufriedenheitsformel lesen: Eine gute Formel kann durch schwache Kategorien und eine knappe Schlussformel entwertet werden.

  4. Die Schlussformel als Floskel abtun: Viele Personaler lesen sie zuerst.

  5. Aus der Erinnerung lesen: Wer weiß, wie gut er gearbeitet hat, liest wohlwollender als ein fremder Leser.

Bewertung zu schlecht: Was Sie tun können

Sie haben Anspruch auf ein wahres und wohlwollendes Zeugnis, was dazu gehört, zeigt der Arbeitszeugnis-Leitfaden. Ist die Bewertung schlechter als Ihre Leistung, können Sie eine Berichtigung verlangen. Die Beweislast ist dabei geteilt: Für eine bessere Note als 3 müssen Sie Tatsachen vortragen, für eine schlechtere muss der Arbeitgeber sie begründen. Das gilt nach dem Bundesarbeitsgericht auch dann, wenn in einer Branche überwiegend gute Noten vergeben werden (BAG 18.11.2014 – 9 AZR 584/13).

  1. Belege sammeln: Zielvereinbarungen, Beurteilungen, Lob per E-Mail, ein besseres Zwischenzeugnis.

  2. Schriftlich auffordern: Nennen Sie die beanstandeten Sätze, Ihre gewünschte Fassung und eine Frist von zwei Wochen. Ein fertiges Schreiben erstellt die Zeugnisberichtigung.

  3. Fristen beachten: Der Anspruch verjährt nach § 195 BGB in drei Jahren, kann aber schon nach einigen Monaten verwirkt sein. Arbeits- oder Tarifvertrag enthalten oft kürzere Ausschlussfristen.

  4. Klage als letzter Schritt: Lenkt der Arbeitgeber nicht ein, bleibt die Klage auf Berichtigung beim Arbeitsgericht.

Bessere Fassungen für die häufigsten schwachen Sätze stehen im Ratgeber Arbeitszeugnis verbessern. Wie Sie bei einem deutlich schlechten Zeugnis vorgehen, erklärt der Artikel schlechtes Arbeitszeugnis. Ganze Zeugnisse der mittleren Stufen zeigen die Muster zu Note 2 und Note 3.

Bewertung im Zwischenzeugnis, Ausbildungs- und Praktikumszeugnis

Der Notenschlüssel ist für alle Zeugnisarten derselbe. Ein Zwischenzeugnis steht im Präsens („Sie erledigt die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit“), und seine Schlussformel nennt den Anlass statt eines Abschieds. Das Ausbildungszeugnis nach § 16 BBiG bewertet zusätzlich den Lernfortschritt. Formulierungen für das laufende Arbeitsverhältnis enthält der Artikel Zwischenzeugnis Formulierungen, die vollständige Sammlung aller Bereiche der Ratgeber Arbeitszeugnis Formulierungen nach Noten.

Zusammenfassung

Die Bewertung im Arbeitszeugnis folgt einem Notenschlüssel von 1 bis 5, der sich aus Zeitadverbien, Steigerungen und Einschränkungen ergibt. Die Zufriedenheitsformel ist der Ankersatz, doch jede Kategorie von der Leistungsbereitschaft bis zur Schlussformel hat ihre eigene Skala. Wer jeden Satz benotet und die Leistung doppelt gewichtet, kommt zu einer belastbaren Einschätzung und erkennt die Brüche, an denen eine Berichtigung ansetzt.

Für einzelne Sätze reicht der kostenlose Zeugnis-Decoder. Die Arbeitszeugnisanalyse von ProofDocs bewertet in wenigen Minuten jeden Satz Ihres Zeugnisses getrennt nach Leistung, Verhalten und Schlussformel, mit Verbesserungsvorschlägen für die schwachen Stellen.

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Häufig gestellte Fragen

Wie funktioniert die Bewertung im Arbeitszeugnis?

Die Bewertung im Arbeitszeugnis folgt einem Notenschlüssel von 1 (sehr gut) bis 5 (mangelhaft), ohne dass eine Zahl im Text steht. Jede Kategorie hat eigene Formulierungen: Leistungsbereitschaft, Befähigung, Fachwissen, Arbeitsweise, Arbeitserfolg, bei Führungskräften die Führung, dazu das Verhalten und die Schlussformel. Den Ausschlag geben Zeitadverbien wie „stets“, Steigerungen wie „vollsten“ und Einschränkungen wie „im Großen und Ganzen“. Die wichtigste Stelle ist die Zufriedenheitsformel, die die Leistung in einem Satz zusammenfasst.

Welche Noten gibt es im Arbeitszeugnis?

Die Zeugnissprache kennt die Schulnoten 1 bis 5: „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ ist sehr gut, „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ gut, „zu unserer vollen Zufriedenheit“ befriedigend, „zu unserer Zufriedenheit“ ausreichend und „im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“ mangelhaft. Formulierungen mit „bemüht“ stehen ebenfalls für mangelhaft und werden von manchen Lesern sogar als ungenügend verstanden. Eine ausdrückliche Note 6 schreibt kaum ein Arbeitgeber, weil das Zeugnis wohlwollend sein muss.

Was heißt „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“?

„Stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ steht für die Note 2, also gut. „Stets“ zeigt, dass die Leistung durchgehend auf diesem Niveau lag. Für die Note 1 fehlt die Steigerung „vollsten“. Fällt dagegen das „stets“ weg, sinkt die Formel auf „zu unserer vollen Zufriedenheit“ und damit auf die Note 3. Prüfen Sie zusätzlich Verhalten und Schlussformel: Liegen sie tiefer, wirkt auch eine gute Leistungsnote schwächer.

Wie berechne ich die Note meines Arbeitszeugnisses?

Eine gesetzliche Formel gibt es nicht, eine Faustregel schon. Benoten Sie jeden Satz mit dem Notenschlüssel, bilden Sie den Mittelwert der Leistungssätze und gleichen Sie ihn mit der Zufriedenheitsformel ab. Dann nehmen Sie die Leistung doppelt und Verhalten und Schlussformel einfach und teilen durch vier. Beispiel: Leistung 2, Verhalten 3, Schlussformel 3 ergibt (2 × 2 + 3 + 3) ÷ 4 = 2,5. Liegt ein Bereich eine ganze Note unter den anderen, prägt er den Eindruck stärker als der Durchschnitt.

Ist Note 3 im Arbeitszeugnis schlecht?

Note 3 bedeutet befriedigend, also eine durchschnittliche Leistung. Weil Arbeitgeber überwiegend gute Zeugnisse ausstellen, wirkt sie bei Bewerbungen schwächer, als die Schulnote vermuten lässt. Rechtlich ist sie der Ausgangspunkt: Nach dem Bundesarbeitsgericht (BAG 18.11.2014 – 9 AZR 584/13) muss der Arbeitnehmer eine bessere Bewertung mit Tatsachen begründen, der Arbeitgeber dagegen eine schlechtere. Wer gute Belege hat, etwa Zielvereinbarungen, Lob per E-Mail oder ein besseres Zwischenzeugnis, hat gute Chancen auf eine Berichtigung.

Was zählt bei der Bewertung mehr: Leistung oder Verhalten?

Personaler gewichten die Leistung am stärksten, weil sie den größten Teil des Zeugnisses ausmacht und mit der Zufriedenheitsformel einen klaren Ankersatz hat. Das Verhalten wirkt aber wie ein Filter: Ein „einwandfrei“ ohne „stets“ oder eine vertauschte Reihenfolge von Vorgesetzten und Kollegen fällt sofort auf und kann ein gutes Leistungsbild entwerten. Die Schlussformel bestätigt oder relativiert beides. Ein stimmiges Zeugnis bewertet alle drei Bereiche auf derselben Stufe.

Wo kann ich die Bewertung meines Arbeitszeugnisses kostenlos prüfen?

Einzelne Sätze entschlüsseln Sie kostenlos mit dem Zeugnis-Decoder von ProofDocs: Satz einfügen, Note und Bedeutung ablesen. Gewerkschaftsmitglieder können ihr Zeugnis in der Regel ohne Zusatzkosten von ihrer Gewerkschaft prüfen lassen. Die Arbeitszeugnisanalyse von ProofDocs zeigt kostenlos, wie viele Formulierungen schwächer als „gut“ sind. Die vollständige Bewertung jedes Satzes mit Verbesserungsvorschlägen kostet einmalig 14,99 €.

Quellen

Gesetze

Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts

  • BAG, Az. 9 AZR 584/13
  • BAG, Az. 9 AZR 227/11