Arbeitszeugnis-Studie 2026: Wie gut sind Arbeitszeugnisse?
284 Arbeitszeugnisse und 3.729 Formulierungen ausgewertet: wie häufig „sehr gut“, „gut“ und schwächere Noten sind und welcher Teil am häufigsten abfällt.
Wie gut sind Arbeitszeugnisse wirklich? Für diese Arbeitszeugnis-Studie haben wir 284 Arbeitszeugnisse ausgewertet, die zwischen dem 21.09. und dem 21.10.2026 mit der Arbeitszeugnisanalyse von ProofDocs geprüft wurden, mit zusammen 3.729 einzeln bewerteten Formulierungen. Das Ergebnis: Die meisten Zeugnisse klingen gut und sind es auch überwiegend. Aber jedes zweite enthält mindestens eine Formulierung, die schwächer ist als „gut“, und am häufigsten fällt die Schlussformel ab.
Alle Zahlen sind Summen über alle Zeugnisse. Kein Satz aus einem einzelnen Zeugnis und keine Angabe zu einer Person oder einem Arbeitgeber fließt in diesen Artikel ein. Wie die Noten der Zeugnissprache funktionieren, erklärt der Ratgeber zur Bewertung im Arbeitszeugnis.
Die wichtigsten Zahlen
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89 % der Formulierungen sind „gut“ oder „sehr gut“: 61,7 % entsprechen der Note 2, 27,2 % der Note 1.
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Jedes zweite Zeugnis hat eine Schwachstelle: 50,4 % enthalten mindestens eine Formulierung unter „gut“, 8,1 % mindestens eine auf Note 4.
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Durchgehend „sehr gut“ ist die Ausnahme: Nur 2,5 % der Zeugnisse sind in jeder Formulierung „sehr gut“.
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Die Schlussformel fällt am häufigsten ab: In 17,3 % liegt sie bei „befriedigend“ oder darunter, in weiteren 5,3 % fehlt sie ganz.
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Die Spitzenformel ist selten: Wo eine Zufriedenheitsformel steht, entspricht sie nur in 31,6 % der Note 1.
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Jedes zehnte Zeugnis nennt die Kollegen vor den Vorgesetzten, eine Reihenfolge, die als Hinweis auf Spannungen gilt.
Zur Verwendung: Bei Verwendung bitte mit Link auf diese Seite als Quelle nennen, etwa „Quelle: ProofDocs, Arbeitszeugnis-Studie 2026“. Für Rückfragen zu den Zahlen erreichen Sie uns über das Kontaktformular.
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Wie gut sind Arbeitszeugnisse? Die Noten aller Formulierungen
Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis besteht aus vielen einzelnen Bewertungen: Fachwissen, Arbeitsweise, Arbeitserfolg, die Zufriedenheitsformel, das Verhalten und die Schlussformel. Im Mittel enthielt jedes Zeugnis 13 solcher Formulierungen. Jede wurde nach den üblichen Konventionen der Zeugnissprache einer Note von 1 bis 4 zugeordnet.
| Note der Formulierung | Anzahl | Anteil |
|---|---|---|
| 1 – sehr gut | 1.014 | 27,2 % |
| 2 – gut | 2.301 | 61,7 % |
| 3 – befriedigend | 370 | 9,9 % |
| 4 – ausreichend | 44 | 1,2 % |
| Zusammen | 3.729 | 100 % |
„Gut“ ist also der Normalfall der Zeugnissprache. Das ist kein Zufall: Ein Zeugnis muss wahr und zugleich wohlwollend sein (§ 109 GewO), und viele Arbeitgeber wählen deshalb im Zweifel die freundlichere Formulierung. Für Sie heißt das: Eine Note 2 ist üblich, eine Note 3 fällt im Vergleich bereits auf, auch wenn „befriedigend“ im Schulsinn nicht schlecht klingt.
Jedes zweite Zeugnis enthält eine schwache Formulierung
Der Gesamteindruck täuscht oft. Ein Zeugnis kann über weite Strecken „gut“ formuliert sein und an einer einzigen Stelle deutlich schwächer werden, etwa bei der Zuverlässigkeit oder beim Verhalten gegenüber Vorgesetzten. Personaler lesen gerade solche Ausreißer genau.
| Zeugnisse mit … | Anzahl | Anteil |
|---|---|---|
| keiner Formulierung unter „gut“ | 141 | 49,6 % |
| mindestens einer Formulierung unter „gut“ | 143 | 50,4 % |
| davon mindestens einer Formulierung auf Note 4 | 23 | 8,1 % |
| ausschließlich „sehr gut“ bewerteten Formulierungen | 7 | 2,5 % |
Bemerkenswert ist auch die andere Seite: Selbst unter den guten Zeugnissen ist ein durchgehendes „sehr gut“ sehr selten. Wer ein Zeugnis mit vielen Formulierungen auf Note 2 hat, liegt damit im breiten Mittelfeld. Welche Formulierung welcher Note entspricht, zeigt die Übersicht der Arbeitszeugnis-Formulierungen.
Leistung, Verhalten, Schlussformel: die drei Bereiche im Vergleich
Für jedes Zeugnis wurde außerdem der Durchschnitt der Formulierungen je Bereich gebildet und einer Stufe zugeordnet: unter 1,5 „sehr gut“, unter 2,5 „gut“, unter 3,5 „befriedigend“, darüber „ausreichend“. „Fehlt“ heißt, dass der Bereich im Zeugnis nicht vorkam.
| Bereich | sehr gut | gut | befriedigend | ausreichend | fehlt | Mittelwert |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Leistungsbeurteilung | 15,5 % | 74,6 % | 7,7 % | 2,1 % | 0 % | 1,93 |
| Sozialverhalten | 20,8 % | 65,8 % | 8,8 % | 1,4 % | 3,2 % | 1,79 |
| Schlussformel | 21,8 % | 55,6 % | 14,4 % | 2,8 % | 5,3 % | 1,83 |
Basis sind jeweils alle 284 Zeugnisse; die Mittelwerte beziehen sich auf die Zeugnisse, in denen der Bereich vorkam. Die Leistungsbeurteilung ist der gleichmäßigste Teil: Drei von vier Zeugnissen liegen hier bei „gut“. Die Schlussformel streut am stärksten. Sie ist häufiger „sehr gut“ als die Leistung, aber auch fast doppelt so oft „befriedigend“, und in jedem zwanzigsten Zeugnis fehlt sie.
Einen Anspruch auf Dank, Bedauern und gute Wünsche gibt es nicht (BAG 11.12.2012 – 9 AZR 227/11). Personaler lesen eine fehlende oder kühle Schlussformel trotzdem oft als Signal. Was jede Variante bedeutet, zeigt der Ratgeber Schlussformel im Arbeitszeugnis.
Die drei Bereiche zusammen: kein Gesamturteil, aber ein Bild
Bildet man aus den drei Bereichen je Zeugnis einen einfachen Durchschnitt, ergibt sich folgendes Bild. Ein solcher Durchschnitt ist ein grober Anhaltspunkt und kein Urteil über das Zeugnis, denn eine einzelne schwache Stelle wiegt beim Lesen oft schwerer, als ein Mittelwert zeigt.
| Durchschnitt der drei Bereiche | Anzahl | Anteil |
|---|---|---|
| sehr gut | 55 | 19,4 % |
| gut | 204 | 71,8 % |
| befriedigend | 21 | 7,4 % |
| ausreichend | 4 | 1,4 % |
Neun von zehn Zeugnissen liegen damit im Durchschnitt bei „gut“ oder „sehr gut“. Rechtlich hat das eine Folge, die viele überrascht: Wer eine bessere Beurteilung als „befriedigend“ verlangt, muss sie begründen, auch wenn in der Praxis die meisten Zeugnisse besser ausfallen. Für eine schlechtere Beurteilung trägt der Arbeitgeber die Darlegungslast (BAG 18.11.2014 – 9 AZR 584/13).
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Die Zufriedenheitsformel: wie oft steht „vollste“ im Zeugnis?
Die Zufriedenheitsformel fasst die Leistung in einem Satz zusammen und ist die bekannteste Formel der Zeugnissprache. In 177 der 284 Zeugnisse (62,3 %) fand sich eine der gängigen Varianten, die auch der kostenlose Zeugnis-Decoder erkennt. In den übrigen Zeugnissen war die Zufriedenheit frei formuliert oder fehlte.
| Zufriedenheitsformel | Note | Anzahl | Anteil |
|---|---|---|---|
| „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ | 1 | 56 | 31,6 % |
| „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ und gleichwertige | 2 | 78 | 44,1 % |
| „zu unserer vollen Zufriedenheit“ und gleichwertige | 3 | 33 | 18,6 % |
| „zu unserer Zufriedenheit“ und gleichwertige | 4 | 9 | 5,1 % |
| „im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“ | 5 | 1 | 0,6 % |
Die Anteile beziehen sich auf die 177 Zeugnisse mit erkannter Formel. Fast jedes vierte davon liegt bei Note 3 oder darunter, obwohl die Sätze auf den ersten Blick zufrieden klingen. Der Unterschied steckt oft in einem einzigen Wort: Fehlt das „stets“, sinkt die Note um eine Stufe.
Weitere Signale: Reihenfolge und bekannte Codes
In 29 Zeugnissen (10,2 %) wurden die Kollegen vor den Vorgesetzten genannt. Die übliche Reihenfolge ist umgekehrt, und die Umstellung gilt in der Zeugnissprache als Hinweis auf Spannungen mit Vorgesetzten. Formulierungen, die seit Langem als verschlüsselte Kritik gelten, fanden sich dagegen nur in 6 Zeugnissen (2,1 %). Versteckte Codes sind also seltener, als ihr Ruf vermuten lässt. Häufiger sind schlicht schwächere Standardformeln. Welche Codes es gibt, erklärt der Ratgeber zu den Codes im Arbeitszeugnis.
Methodik: so wurde ausgewertet
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Datengrundlage: alle 284 Arbeitszeugnisse, die vom 21.09. bis zum 21.10.2026 mit der Arbeitszeugnisanalyse von ProofDocs vollständig ausgewertet wurden, ohne Beispiel- und Testaufträge. Darunter sind Arbeitszeugnisse und Zwischenzeugnisse.
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Bewertung: Jede Formulierung wurde automatisiert nach den üblichen Konventionen der deutschen Zeugnissprache einer Note von 1 bis 4 zugeordnet. Das ist eine technische Auswertung, keine Beurteilung durch ein Gericht oder eine Anwältin. Die Zufriedenheitsformel, die Reihenfolge im Verhalten und die bekannten Codes wurden zusätzlich mit der festen Mustertabelle des Zeugnis-Decoders gezählt.
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Stichprobe: Die Zeugnisse stammen von Menschen, die ihr Zeugnis prüfen lassen wollten. Wer unsicher ist, prüft eher; die Stichprobe ist deshalb nicht repräsentativ für alle Arbeitszeugnisse in Deutschland. Der Zeitraum umfasst einen Monat.
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Datenschutz: Ausgewertet wurden nur Summen. Kein Satz aus einem einzelnen Zeugnis und keine Angabe zu einer Person oder einem Arbeitgeber wurde gespeichert, gezählt oder veröffentlicht.
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Rundung: Anteile sind auf eine Nachkommastelle gerundet und ergeben deshalb nicht immer genau 100 %.
Was die Zahlen für Ihr eigenes Zeugnis bedeuten
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„Gut“ ist Standard: Ein Zeugnis auf Note 2 ist üblich. Einzelne Formulierungen auf Note 3 fallen deshalb im Vergleich auf.
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Lesen Sie jede Stelle: In jedem zweiten Zeugnis steckt mindestens eine schwächere Formulierung, die im Gesamteindruck untergeht.
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Prüfen Sie die Schlussformel: Sie fällt am häufigsten ab oder fehlt. Eine fehlende Dankesformel können Sie nicht erzwingen, aber erbitten.
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Achten Sie auf „stets“: Ein fehlendes „stets“ in der Zufriedenheitsformel kostet eine ganze Notenstufe.
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Handeln Sie früh: Eine Berichtigung erreichen Sie am leichtesten, solange der Kontakt zum Arbeitgeber noch besteht. Wie Sie vorgehen, erklärt der Ratgeber zu Arbeitszeugnis kostenlos prüfen lassen.
Zusammenfassung
Die Auswertung von 284 Arbeitszeugnissen zeigt: 89 % aller Formulierungen sind „gut“ oder „sehr gut“, und neun von zehn Zeugnissen liegen im Durchschnitt der drei Bereiche in diesem Bereich. Trotzdem enthält jedes zweite Zeugnis mindestens eine schwächere Formulierung, durchgehend „sehr gut“ sind nur 2,5 %, und die Schlussformel ist der Teil, der am häufigsten abfällt oder fehlt.
Für Ihr eigenes Zeugnis heißt das: Der erste Eindruck reicht nicht. Die Arbeitszeugnisanalyse von ProofDocs bewertet in wenigen Minuten jede Formulierung, zeigt die Noten je Bereich und schlägt für schwache Stellen bessere Formulierungen vor.
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Häufig gestellte Fragen
Wie gut sind Arbeitszeugnisse im Durchschnitt?
In unserer Auswertung von 284 Arbeitszeugnissen lag der Durchschnitt der drei Bereiche Leistung, Verhalten und Schlussformel bei 91,2 % der Zeugnisse im Bereich „gut“ oder „sehr gut“. Von 3.729 einzeln bewerteten Formulierungen entsprachen 61,7 % der Note 2 und 27,2 % der Note 1. Die Stichprobe ist nicht repräsentativ, sie stammt aus Zeugnissen, die ihre Inhaber prüfen lassen wollten.
Wie viele Arbeitszeugnisse enthalten schwache Formulierungen?
Die Hälfte. 143 von 284 Zeugnissen (50,4 %) enthielten mindestens eine Formulierung, die schwächer als „gut“ ist, 23 (8,1 %) mindestens eine, die nur der Note 4 entspricht. Nur 7 Zeugnisse (2,5 %) waren in jeder einzelnen Formulierung „sehr gut“.
Welcher Teil des Arbeitszeugnisses fällt am häufigsten ab?
Die Schlussformel. Sie lag in 17,3 % der Zeugnisse bei „befriedigend“ oder schwächer und fehlte in weiteren 5,3 % ganz. Bei der Leistungsbeurteilung waren es 9,9 %, beim Sozialverhalten 10,2 %. Einen Anspruch auf eine Schlussformel gibt es nach der Rechtsprechung nicht, ihr Fehlen wird von Personalern aber oft als Signal gelesen.
Wie oft steht „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ im Zeugnis?
In 177 der 284 Zeugnisse fand sich eine der gängigen Zufriedenheitsformeln. Davon entsprachen 31,6 % der Note 1, also etwa „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“, 44,1 % der Note 2 und 18,6 % der Note 3. In den übrigen Zeugnissen war die Zufriedenheit anders formuliert oder fehlte.
Darf ich die Zahlen der Studie verwenden?
Ja. Bitte nennen Sie ProofDocs als Quelle und verlinken Sie diese Seite. Die Zahlen sind Summen über alle ausgewerteten Zeugnisse, sie enthalten keine Sätze aus einzelnen Zeugnissen und keine Angaben zu Personen oder Arbeitgebern.
Quellen
Gesetze
Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts
- BAG, Az. 9 AZR 227/11
- BAG, Az. 9 AZR 584/13