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Ratgeber · Arbeitsvertrag

Vollzeit: Wie viele Stunden? Der Vollzeit-Arbeitsvertrag erklärt

Wie viele Stunden Vollzeit sind, was im Vollzeitvertrag stehen muss, welche Klauseln kritisch sind und wie Sie in Teilzeit wechseln.

  • Redaktion: ProofDocs
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Wie viele Stunden sind Vollzeit? Eine gesetzliche Stundenzahl gibt es nicht, üblich sind 35 bis 40 Stunden pro Woche, je nach Tarifvertrag und Betrieb. Der Vollzeit-Arbeitsvertrag ist die häufigste Form des Arbeitsvertrags in Deutschland. Doch was genau bedeutet Vollzeit rechtlich? Welche Rechte und Pflichten ergeben sich aus einem Vollzeitarbeitsverhältnis? Und welche Klauseln verdienen besondere Aufmerksamkeit? Diese Fragen sind für jeden Arbeitnehmer relevant, der einen neuen Vollzeitvertrag unterschreiben möchte oder seine bestehenden Rechte kennen will. Lassen Sie Ihren Arbeitsvertrag professionell prüfen, bevor Sie unterschreiben.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Eine gesetzliche Definition der Vollzeitstundenzahl existiert nicht. Üblich sind je nach Branche und Tarifvertrag zwischen 35 und 40 Wochenstunden.

  • Das Arbeitszeitgesetz begrenzt die werktägliche Arbeitszeit auf maximal acht Stunden, die auf zehn Stunden verlängert werden kann, wenn ein Durchschnittsausgleich erfolgt.

  • Der Vollzeit-Arbeitsvertrag muss nach dem Nachweisgesetz alle wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich oder, außer in Branchen nach § 2a SchwarzArbG, in Textform festhalten, einschließlich der konkreten wöchentlichen Arbeitszeit.

  • Vollzeitkräfte haben unter bestimmten Voraussetzungen einen gesetzlichen Anspruch auf Verringerung der Arbeitszeit nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz.

  • Die Brückenteilzeit ermöglicht seit 2019 eine befristete Arbeitszeitverringerung mit garantierter Rückkehr zur Vollzeit in Betrieben mit mehr als 45 Beschäftigten.

  • Überstundenklauseln müssen konkret und transparent formuliert sein. Pauschale Abgeltungsklauseln ohne Obergrenze sind unwirksam.

  • Bei 40 Wochenstunden entspricht der Mindestlohn von 13,90 € im Jahr 2026 einem Bruttogehalt von mindestens 2.409,33 € im Monat.

Definition: Was bedeutet Vollzeit?

Im deutschen Arbeitsrecht gibt es keine gesetzliche Definition, die eine feste Stundenzahl für Vollzeitbeschäftigung festlegt. Vollzeit ist vielmehr ein relativer Begriff, der sich auf die betriebsübliche oder tarifvertraglich vereinbarte reguläre Arbeitszeit bezieht. Nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) ist Vollzeitarbeit die Arbeitszeit, die der regelmäßigen Arbeitszeit eines vergleichbaren vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers entspricht.

Vollzeit: Wie viele Stunden sind es pro Woche, Tag und Monat?

Die konkrete Wochenstundenzahl variiert je nach Branche, Tarifvertrag und Unternehmen. Wo ein Tarifvertrag gilt, bestimmt er die Vollzeit, etwa 35 Stunden in der westdeutschen Metall- und Elektroindustrie oder 39 Stunden im öffentlichen Dienst nach TVöD. Ohne Tarifbindung sind 38 bis 40 Stunden üblich, in vielen Büros und IT-Unternehmen 40 Stunden. Welche Zahl für Sie gilt, steht in Ihrem Arbeitsvertrag oder dem anwendbaren Tarifvertrag. Tarifliche Arbeitszeiten ändern sich mit jeder Tarifrunde, prüfen Sie deshalb den aktuellen Stand Ihres Tarifvertrags.

Für Gehalt, Urlaub und Überstunden müssen Sie die Wochenstunden oft umrechnen. Die Tabelle zeigt die gängigen Vollzeitmodelle bei einer Fünftagewoche. Für den Monat wird mit dem Faktor 13 / 3 gerechnet, also rund 4,33 Wochen, die rechte Spalte zeigt das Mindestgehalt beim gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 € (Stand 2026).

Stunden pro Woche Stunden pro Tag Stunden pro Monat Mindestgehalt brutto pro Monat 2026
35 7,0 151,67 2.108,17 €
37,5 7,5 162,50 2.258,75 €
38,5 7,7 166,83 2.318,98 €
39 7,8 169,00 2.349,10 €
40 8,0 173,33 2.409,33 €

Ihr eigener Stundenlohn ergibt sich umgekehrt: Monatsgehalt geteilt durch die Monatsstunden. Wer bei 40 Stunden 3.500 € brutto verdient, kommt auf 3.500 € / 173,33 = 20,19 € pro Stunde. Für beliebige Werte rechnen Sie mit dem Stundenlohnrechner, Ihre tatsächliche Tagesarbeitszeit mit Pausen mit dem Arbeitszeitrechner.

Ab wann ist man Vollzeit, ab wann Teilzeit?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Teilzeitbeschäftigt ist nach § 2 TzBfG jeder, dessen regelmäßige Wochenarbeitszeit kürzer ist als die eines vergleichbaren Vollzeitbeschäftigten im Betrieb. Gilt dort die 40-Stunden-Woche, ist ein Vertrag über 38 Stunden also bereits Teilzeit, in einem Betrieb mit 35-Stunden-Tarif dagegen Vollzeit. Diese Einordnung entscheidet etwa darüber, ob Sie sich auf den Schutz von Teilzeitbeschäftigten berufen können.

Gesetzliche Höchstgrenzen der Arbeitszeit

Unabhängig von der vertraglichen Vereinbarung setzt das Arbeitszeitgesetz absolute Obergrenzen. Die werktägliche Arbeitszeit darf acht Stunden nicht überschreiten. Eine Verlängerung auf bis zu zehn Stunden ist möglich, wenn innerhalb von sechs Monaten oder 24 Wochen ein Durchschnitt von acht Stunden eingehalten wird. Bei einer Sechstagewoche (Montag bis Samstag) ergibt sich eine maximale Wochenarbeitszeit von 48 Stunden. In der Praxis wird Vollzeit bei einer Fünftagewoche mit maximal 40 Stunden vereinbart, wobei tarifliche Regelungen häufig darunter liegen. Die Bundesregierung plant, die tägliche durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu ersetzen. Im Oktober 2026 war diese Reform noch nicht beschlossen, es gilt weiter die Tagesgrenze.

Wesentliche Klauseln im Vollzeit-Arbeitsvertrag

Ein Vollzeit-Arbeitsvertrag enthält zahlreiche Klauseln, die Ihre Rechte und Pflichten als Arbeitnehmer bestimmen. Nicht alle Klauseln sind auf den ersten Blick verständlich, und manche können nachteilige Konsequenzen haben. Im Folgenden werden die wichtigsten Klauseln erläutert.

Arbeitszeitklausel

Die Arbeitszeitklausel ist das Herzstück des Vollzeitvertrags. Sie sollte die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit in Stunden konkret angeben. Eine klare Formulierung lautet: „Die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit beträgt 40 Stunden.“ Diese Formulierung ist eindeutig und lässt keinen Interpretationsspielraum.

Problematisch sind vage Formulierungen wie „Der Arbeitnehmer arbeitet in Vollzeit“ ohne Angabe der konkreten Stundenzahl. In diesem Fall richtet sich die Arbeitszeit nach der betriebsüblichen Vollarbeitszeit, die im Streitfall erst ermittelt werden muss. Seit der Reform des Nachweisgesetzes im August 2022 ist die Angabe der vereinbarten Arbeitszeit eine Pflichtangabe, die dem Arbeitnehmer spätestens am ersten Arbeitstag schriftlich oder, außer in Branchen nach § 2a SchwarzArbG, in Textform vorliegen muss.

Vergütungsklausel

Die Vergütung wird bei Vollzeitbeschäftigten in der Regel als Monatsbruttogehalt vereinbart. Die Klausel sollte die Höhe des Gehalts, den Zahlungszeitpunkt und die Zusammensetzung (Festgehalt, variable Bestandteile, Zulagen) klar angeben. Achten Sie darauf, ob die Vergütung dem gesetzlichen Mindestlohn entspricht. Seit dem 1. Januar 2026 beträgt der Mindestlohn 13,90 Euro brutto pro Stunde. Bei einer 40-Stunden-Woche und einem Durchschnitt von 173,33 Stunden pro Monat ergibt sich ein monatliches Mindestbruttogehalt von etwa 2.409 Euro.

Überstundenklausel

Die Überstundenregelung ist bei Vollzeitkräften besonders relevant, da die Grenze zwischen regulärer Arbeitszeit und Überstunden klar definiert sein muss. Überstunden liegen vor, wenn über die vertraglich vereinbarte Wochenarbeitszeit hinaus gearbeitet wird. Ohne ausdrückliche Vereinbarung sind Sie nicht verpflichtet, Überstunden zu leisten.

Wirksame Überstundenklauseln benennen die maximale Anzahl der mit dem Gehalt abgegoltenen Überstunden konkret, etwa: „Mit dem vereinbarten Gehalt sind bis zu 10 Überstunden monatlich abgegolten.“ Pauschale Klauseln wie „Sämtliche Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten“ sind nach ständiger Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts unwirksam, weil sie intransparent sind.

Probezeit

Die Probezeit ist in Vollzeitverträgen üblich und darf maximal sechs Monate betragen. Während der Probezeit beträgt die Kündigungsfrist zwei Wochen, sofern keine längere Frist vereinbart ist. Nach Ablauf der Probezeit gelten die gesetzlichen oder vertraglichen Kündigungsfristen. Die Probezeit muss im Arbeitsvertrag ausdrücklich vereinbart werden; sie gilt nicht automatisch.

Versetzungsklausel

Versetzungsklauseln erlauben es dem Arbeitgeber, Ihnen andere Tätigkeiten oder einen anderen Arbeitsort zuzuweisen. Solche Klauseln sind grundsätzlich zulässig, müssen aber die Grenzen des billigen Ermessens nach § 106 GewO wahren. Eine Versetzung darf nicht zu einer wesentlichen Verschlechterung Ihrer Arbeitsbedingungen führen. Die Zuweisung einer geringwertigeren Tätigkeit, die deutlich unter Ihrer Qualifikation liegt, wäre unzulässig.

Nebentätigkeitsklausel

In Vollzeitverträgen finden sich häufig Klauseln, die Nebentätigkeiten einschränken oder einer Genehmigungspflicht unterwerfen. Ein generelles Verbot von Nebentätigkeiten ist unwirksam, da es die Berufsfreiheit des Arbeitnehmers unverhältnismäßig einschränkt. Zulässig ist jedoch eine Anzeigepflicht, die den Arbeitnehmer verpflichtet, Nebentätigkeiten vor Aufnahme anzuzeigen. Der Arbeitgeber kann die Genehmigung nur verweigern, wenn berechtigte Interessen entgegenstehen, etwa eine Konkurrenztätigkeit oder eine Überschreitung der arbeitszeitgesetzlichen Höchstgrenzen.

Rechte und Pflichten bei Vollzeitbeschäftigung

Vollzeitbeschäftigte haben umfassende Rechte, die sich aus dem Arbeitsvertrag, aus Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen und aus dem Gesetz ergeben. Gleichzeitig unterliegen sie bestimmten Pflichten, die sich aus dem Arbeitsverhältnis ergeben.

Vergütungsanspruch

Der zentrale Anspruch des Arbeitnehmers ist der Vergütungsanspruch. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die vereinbarte Vergütung pünktlich und vollständig zu zahlen. Verzögerungen oder Ausfälle bei der Gehaltszahlung berechtigen den Arbeitnehmer unter Umständen zur außerordentlichen Kündigung und zu Schadensersatzansprüchen. Bei Vergütungsstreitigkeiten kann eine Abfindung im Rahmen einer einvernehmlichen Regelung in Betracht kommen.

Urlaubsanspruch

Vollzeitbeschäftigte mit einer Fünftagewoche haben einen gesetzlichen Mindesturlaub von 20 Arbeitstagen pro Jahr. In den meisten Arbeitsverträgen und Tarifverträgen wird ein höherer Urlaubsanspruch von 25 bis 30 Tagen vereinbart. Der Urlaubsanspruch ist an die Arbeitstage pro Woche, nicht an die Arbeitsstunden geknüpft. Bei einem Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit muss der Urlaubsanspruch entsprechend umgerechnet werden.

Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall

Bei Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit hat der Vollzeitbeschäftigte Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber für die Dauer von sechs Wochen. Danach übernimmt die Krankenkasse mit dem Krankengeld, das in der Regel 70 Prozent des Bruttoentgelts beträgt, aber auf 90 Prozent des Nettoentgelts begrenzt ist. Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung setzt voraus, dass das Arbeitsverhältnis seit mindestens vier Wochen besteht und die Arbeitsunfähigkeit nicht selbst verschuldet wurde.

Arbeitspflicht und Treuepflicht

Die Hauptpflicht des Arbeitnehmers ist die Erbringung der Arbeitsleistung. Er muss die vereinbarte Arbeit persönlich, im vereinbarten Umfang und nach den Weisungen des Arbeitgebers erbringen. Daneben bestehen Nebenpflichten wie die Treuepflicht, die Verschwiegenheitspflicht und das Wettbewerbsverbot. Der Arbeitnehmer darf nichts tun, was die berechtigten Interessen des Arbeitgebers schädigt.

Von Vollzeit zu Teilzeit: Ihr Recht auf Arbeitszeitverringerung

Das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) gibt Arbeitnehmern unter bestimmten Voraussetzungen einen gesetzlichen Anspruch auf Verringerung der Arbeitszeit. Dieses Recht ermöglicht es Vollzeitbeschäftigten, ihre Arbeitszeit dauerhaft oder befristet zu reduzieren. Was danach in Ihrem neuen Vertrag stehen sollte, erklärt der Beitrag zum Teilzeit-Arbeitsvertrag.

Voraussetzungen des Teilzeitanspruchs

Der Anspruch auf Verringerung der Arbeitszeit besteht unter drei Voraussetzungen. Erstens muss das Arbeitsverhältnis seit mehr als sechs Monaten bestehen. Zweitens muss der Arbeitgeber in der Regel mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigen. Auszubildende werden dabei nicht mitgezählt. Drittens dürfen keine betrieblichen Gründe der Verringerung entgegenstehen.

Der Antrag auf Teilzeit muss spätestens drei Monate vor dem gewünschten Beginn in Textform gestellt werden. Er sollte den Umfang der gewünschten Verringerung und die gewünschte Verteilung der Arbeitszeit auf die Woche angeben. Der Arbeitgeber hat mit dem Arbeitnehmer über den Antrag zu verhandeln und ihm spätestens einen Monat vor dem gewünschten Beginn die Entscheidung mitzuteilen. Reagiert der Arbeitgeber nicht rechtzeitig, gilt die vom Arbeitnehmer gewünschte Arbeitszeitverringerung als vereinbart.

Betriebliche Gründe als Ablehnungsgrund

Der Arbeitgeber kann den Teilzeitwunsch ablehnen, wenn betriebliche Gründe entgegenstehen. Das Gesetz nennt beispielhaft die wesentliche Beeinträchtigung der Organisation, des Arbeitsablaufs oder der Sicherheit im Betrieb und unverhältnismäßige Kosten. Die Hürden für eine Ablehnung sind hoch. Der Arbeitgeber muss konkret darlegen, warum die gewünschte Arbeitszeitverringerung den Betrieb wesentlich beeinträchtigt. Pauschale Verweise auf organisatorische Schwierigkeiten genügen nicht.

Die Brückenteilzeit nach § 9a TzBfG

Seit dem 1. Januar 2019 gibt es das Recht auf Brückenteilzeit, das eine befristete Verringerung der Arbeitszeit mit einem garantierten Rückkehrrecht zur ursprünglichen Arbeitszeit vorsieht. Die Brückenteilzeit ist besonders attraktiv für Arbeitnehmer, die ihre Arbeitszeit vorübergehend reduzieren möchten, etwa für Weiterbildung, Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen, ohne dauerhaft in Teilzeit zu verbleiben.

Die Brückenteilzeit kann für einen Zeitraum von einem bis fünf Jahren beantragt werden. Der Antrag muss drei Monate vor dem gewünschten Beginn in Textform gestellt werden und den gewünschten Zeitraum der Verringerung angeben. Der Arbeitgeber kann den Antrag aus betrieblichen Gründen ablehnen. In Betrieben mit 46 bis 200 Beschäftigten gibt es zusätzlich eine Zumutbarkeitsgrenze: Pro angefangene 15 Arbeitnehmer muss nur einem Arbeitnehmer Brückenteilzeit gewährt werden.

Nach Ablauf des vereinbarten Zeitraums kehrt der Arbeitnehmer automatisch zur vorherigen Arbeitszeit zurück. Eine Verlängerung kann der Arbeitnehmer nicht verlangen (§ 9a Abs. 4 TzBfG), möglich ist sie nur im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber. Eine erneute Brückenteilzeit kann frühestens ein Jahr nach Rückkehr zur ursprünglichen Arbeitszeit verlangt werden.

Von Teilzeit zurück zu Vollzeit

Der umgekehrte Weg, von Teilzeit zurück zu Vollzeit, ist gesetzlich weniger stark geschützt als der Wechsel von Vollzeit zu Teilzeit. Dennoch gibt es Regelungen, die Teilzeitbeschäftigte bei der Rückkehr zu Vollzeit unterstützen.

Bevorzugte Berücksichtigung bei freien Stellen

Nach § 9 TzBfG hat der Arbeitgeber einen Teilzeitbeschäftigten, der ihm den Wunsch nach Verlängerung seiner Arbeitszeit angezeigt hat, bei der Besetzung eines entsprechenden freien Arbeitsplatzes bevorzugt zu berücksichtigen. Voraussetzung ist, dass der Arbeitnehmer mindestens gleichwertig qualifiziert ist und keine dringenden betrieblichen Gründe oder Arbeitszeitwünsche anderer Teilzeitbeschäftigter entgegenstehen.

Dieses bevorzugte Berücksichtigungsrecht ist kein Anspruch auf Vollzeit, sondern ein Vorrang bei gleicher Eignung. Der Arbeitgeber muss den Teilzeitbeschäftigten über entsprechende freie Stellen informieren. Tut er dies nicht, kann der Arbeitnehmer Schadensersatz verlangen.

Änderungskündigung zur Arbeitszeiterhöhung

Der Arbeitgeber kann die Arbeitszeit nicht einseitig von Teilzeit auf Vollzeit erhöhen. Die Arbeitszeit ist eine wesentliche Vertragsbestimmung, deren Änderung der Zustimmung beider Parteien bedarf. Stimmt der Arbeitnehmer nicht zu, bleibt dem Arbeitgeber nur die Änderungskündigung. Diese ist jedoch an strenge Voraussetzungen gebunden und in der Regel nur aus betrieblichen Gründen zulässig. Gegen eine ungerechtfertigte Änderungskündigung können Sie sich mit einer Klage beim Arbeitsgericht wehren.

Besondere Vollzeitmodelle

Neben dem klassischen Vollzeitmodell mit festen Arbeitszeiten von Montag bis Freitag gibt es verschiedene Sonderformen, die in vielen Unternehmen zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Vollzeit mit Gleitzeit

Bei Vollzeit mit Gleitzeit bleibt die Gesamtwochenstundenzahl unverändert, aber der Arbeitnehmer kann Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit innerhalb eines definierten Rahmens flexibel gestalten. Gleitzeitregelungen werden häufig in Betriebsvereinbarungen oder im Arbeitsvertrag geregelt und sehen Kernarbeitszeiten vor, während der alle Mitarbeiter anwesend sein müssen.

Vollzeit im Homeoffice

Immer mehr Vollzeitstellen werden ganz oder teilweise im Homeoffice erbracht. Die Arbeitszeit bleibt dabei unverändert, nur der Arbeitsort wechselt. Im Homeoffice gelten dieselben arbeitszeitrechtlichen Regelungen wie im Büro. Der Arbeitgeber bleibt für die Arbeitszeiterfassung verantwortlich, auch wenn der Arbeitnehmer von zu Hause arbeitet. Eine klare Regelung zu Erreichbarkeit, Kernarbeitszeiten und Arbeitszeitdokumentation ist im Arbeitsvertrag oder einer Zusatzvereinbarung empfehlenswert.

Komprimierte Arbeitszeit (4-Tage-Woche)

Ein zunehmend diskutiertes Modell ist die komprimierte Arbeitszeit, bei der die volle Wochenstundenzahl auf weniger Arbeitstage verteilt wird. Bei einer 40-Stunden-Woche auf vier Tage würde die tägliche Arbeitszeit zehn Stunden betragen. Dies ist nach dem Arbeitszeitgesetz grundsätzlich möglich, sofern der Durchschnittsausgleich eingehalten wird. Die komprimierte Arbeitszeit muss im Arbeitsvertrag klar vereinbart werden, einschließlich der Verteilung auf die Wochentage und der Pausenregelung.

Vollzeit mit Arbeitszeitkonto

Arbeitszeitkonten ermöglichen es, Schwankungen in der Arbeitsbelastung auszugleichen. Mehrarbeit wird dem Konto gutgeschrieben, Minderarbeit belastet es. Der Arbeitnehmer kann Zeitguthaben durch Freizeit ausgleichen. Die Vereinbarung eines Arbeitszeitkontos sollte Obergrenzen für Plus- und Minusstunden festlegen, den Ausgleichszeitraum bestimmen und regeln, was mit dem Konto bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses geschieht.

Kritische Klauseln im Vollzeit-Arbeitsvertrag erkennen

Bestimmte Klauseln in Vollzeit-Arbeitsverträgen sind rechtlich problematisch oder können nachteilige Konsequenzen haben. Im Folgenden werden die häufigsten Fallstricke dargestellt.

Flexible Arbeitszeitklauseln ohne Mindestarbeitszeit

Klauseln, die dem Arbeitgeber erlauben, die Arbeitszeit nach Bedarf zu variieren, ohne eine Mindestarbeitszeit festzulegen, sind problematisch. Bei einer als Vollzeit bezeichneten Stelle muss die konkrete Wochenstundenzahl angegeben werden. Eine Klausel wie „Die Arbeitszeit richtet sich nach den betrieblichen Erfordernissen“ gibt dem Arbeitgeber zu viel Spielraum und ist nach dem Nachweisgesetz unzureichend.

Ausschluss des Teilzeitanspruchs

Klauseln, die den gesetzlichen Teilzeitanspruch nach dem TzBfG einschränken oder ausschließen, sind unwirksam. Der Teilzeitanspruch ist ein gesetzliches Recht, das nicht durch Arbeitsvertrag abbedungen werden kann. Allerdings können tarifvertragliche Regelungen unter Umständen von den gesetzlichen Bestimmungen abweichen.

Mehrarbeitsverpflichtung ohne Begrenzung

Klauseln, die den Arbeitnehmer zur unbegrenzten Leistung von Mehrarbeit verpflichten, sind unangemessen und unwirksam. Eine zulässige Mehrarbeitsklausel muss den Umfang der zulässigen Mehrarbeit konkret begrenzen, die Voraussetzungen für die Anordnung von Mehrarbeit benennen und die Vergütung oder den Freizeitausgleich für Mehrarbeit regeln.

Checkliste: Vollzeit-Arbeitsvertrag prüfen

Bevor Sie einen Vollzeit-Arbeitsvertrag unterschreiben, sollten Sie die folgenden Punkte systematisch prüfen.

  1. Prüfen Sie, ob die wöchentliche Arbeitszeit in Stunden konkret angegeben ist und dem branchenüblichen Niveau entspricht.

  2. Vergleichen Sie die Vergütung mit dem branchenüblichen Gehalt und dem gesetzlichen Mindestlohn.

  3. Prüfen Sie die Überstundenregelung auf Transparenz und Angemessenheit. Fehlt eine Regelung, haben Sie Anspruch auf Vergütung Ihrer Überstunden.

  4. Achten Sie auf die Probezeitdauer und die geltenden Kündigungsfristen sowohl in der Probezeit als auch danach.

  5. Kontrollieren Sie den Urlaubsanspruch und vergleichen Sie ihn mit dem gesetzlichen Minimum und dem Branchendurchschnitt.

  6. Prüfen Sie Versetzungsklauseln und Nebentätigkeitsregelungen auf Angemessenheit.

  7. Stellen Sie sicher, dass alle Pflichtangaben nach dem Nachweisgesetz enthalten sind.

  8. Prüfen Sie, ob Ausschlussfristen für die Geltendmachung von Ansprüchen enthalten sind und ob diese angemessen lang sind (mindestens drei Monate).

Den Anspruch auf Teilzeit nach § 8 TzBfG, die befristete Brückenteilzeit und den Schutz vor Benachteiligung erklärt im Einzelnen der Ratgeber zum Teilzeit-Arbeitsvertrag. Was eine Verringerung für Ihr Gehalt bedeutet, rechnet der Teilzeitrechner aus.

Zusammenfassung

Der Vollzeit-Arbeitsvertrag ist die Standardform des Arbeitsverhältnisses in Deutschland. Er bildet die Grundlage für umfassende Arbeitnehmerrechte, von der Vergütung über den Urlaubsanspruch bis hin zur Entgeltfortzahlung. Die konkrete Wochenstundenzahl variiert je nach Branche und Tarifvertrag und sollte im Vertrag klar angegeben sein. Überstundenklauseln, Versetzungsregelungen und Nebentätigkeitsverbote verdienen besondere Aufmerksamkeit, da hier häufig unwirksame Klauseln vorkommen.

Vollzeitbeschäftigte haben unter bestimmten Voraussetzungen einen gesetzlichen Anspruch auf Verringerung der Arbeitszeit und seit 2019 auch ein Recht auf Brückenteilzeit mit garantierter Rückkehr zur Vollzeit. Der umgekehrte Weg von Teilzeit zu Vollzeit ist durch ein bevorzugtes Berücksichtigungsrecht bei freien Stellen geschützt. Eine professionelle Prüfung Ihres Vollzeit-Arbeitsvertrags hilft Ihnen, nachteilige Klauseln zu erkennen und Ihre Rechte vollständig wahrzunehmen.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Stunden sind Vollzeit?

Eine gesetzliche Stundenzahl gibt es nicht, üblich sind 35 bis 40 Stunden pro Woche. Maßgeblich ist, was ein vergleichbarer Vollzeitbeschäftigter in Ihrem Betrieb arbeitet, oft vorgegeben durch den Tarifvertrag, etwa 35 Stunden in der westdeutschen Metallindustrie oder 39 Stunden im TVöD. Ohne Tarif sind 38 bis 40 Stunden verbreitet.

Wie viele Stunden sind Vollzeit pro Tag und pro Monat?

Bei einer Fünftagewoche und 40 Wochenstunden sind es 8 Stunden am Tag und rund 173,33 Stunden im Monat (40 × 13 / 3). Bei 38,5 Stunden sind es 7,7 Stunden täglich und 166,83 Stunden im Monat. Pausen zählen dabei nicht zur Arbeitszeit.

Ab wie vielen Stunden ist man in Teilzeit?

Es gibt keine feste Grenze. Teilzeit liegt nach § 2 TzBfG vor, sobald Ihre regelmäßige Wochenarbeitszeit unter der eines vergleichbaren Vollzeitbeschäftigten im Betrieb liegt. In einem Betrieb mit 40-Stunden-Woche ist ein Vertrag über 38 Stunden also bereits Teilzeit.

Was muss in einem Vollzeit-Arbeitsvertrag stehen?

Nach dem Nachweisgesetz mindestens die Vertragsparteien, der Beginn, die Tätigkeit, der Arbeitsort, die Vergütung, die vereinbarte Arbeitszeit, der Urlaub und die Kündigungsfristen. Die Arbeitszeit sollte als konkrete Stundenzahl pro Woche angegeben sein, nicht nur als „Vollzeit“. Wichtig sind außerdem Regelungen zu Überstunden, Probezeit und Versetzung.

Habe ich als Vollzeitkraft ein Recht auf Teilzeit?

Ja, wenn Ihr Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate besteht, der Arbeitgeber mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigt und keine betrieblichen Gründe entgegenstehen (§ 8 TzBfG). Den Antrag stellen Sie mindestens drei Monate vor dem gewünschten Beginn in Textform. Lehnt der Arbeitgeber nicht spätestens einen Monat vorher in Textform ab, gilt Ihr Wunsch als vereinbart.

Was ist Brückenteilzeit?

Die Brückenteilzeit nach § 9a TzBfG ist eine befristete Teilzeit von einem bis fünf Jahren mit gesetzlich garantierter Rückkehr zur Vollzeit. Sie gilt in Betrieben mit mehr als 45 Beschäftigten, bis 200 Beschäftigte mit einer Zumutbarkeitsgrenze von einem Antrag je angefangene 15 Arbeitnehmer.

Kann der Arbeitgeber Vollzeit einseitig anordnen?

Nein, die vereinbarte Arbeitszeit kann nur einvernehmlich oder durch eine sozial gerechtfertigte Änderungskündigung geändert werden. Teilzeitbeschäftigte, die mehr arbeiten möchten, werden aber bei freien Vollzeitstellen bevorzugt berücksichtigt (§ 9 TzBfG).

Muss ich als Vollzeitkraft Überstunden machen?

Nur wenn Ihr Vertrag, ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung das vorsieht, oder in echten Notfällen. Klauseln wie „sämtliche Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten“ sind unwirksam, nicht wirksam abgegoltene Überstunden sind zu bezahlen oder durch Freizeit auszugleichen.