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Ratgeber · Arbeitsvertrag

Werkstudentenvertrag: Stunden, Abgaben, Rechte

Wie viele Stunden Werkstudenten arbeiten dürfen, welche Sozialversicherung anfällt und was ein guter Werkstudentenvertrag regelt, mit Rechenbeispielen für 2026.

  • Redaktion: ProofDocs
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  • Aktualisiert:
  • ca. 16 Min. Lesezeit

Der Werkstudentenvertrag ist eine besondere Form des Arbeitsvertrags, die speziell auf die Bedürfnisse von Studierenden zugeschnitten ist. Rechtlich ist er ein ganz normaler Arbeitsvertrag, das Besondere steckt in der Sozialversicherung. Als Werkstudent profitieren Sie von erheblichen Vorteilen bei der Sozialversicherung, unterliegen aber gleichzeitig strengen Regeln zur Arbeitszeitbegrenzung. Fehler im Vertrag können dazu führen, dass das Werkstudentenprivileg verloren geht und hohe Nachzahlungen bei der Sozialversicherung drohen. Bevor Sie einen Werkstudent-Arbeitsvertrag unterschreiben, sollten Sie Ihren Arbeitsvertrag prüfen lassen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Werkstudenten dürfen während der Vorlesungszeit maximal 20 Stunden pro Woche arbeiten. In den Semesterferien sind bis zu 40 Stunden möglich.

  • Das Werkstudentenprivileg befreit von Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Es fallen nur Beiträge zur Rentenversicherung an.

  • Werkstudenten haben vollen Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn, bezahlten Urlaub und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.

  • Der Arbeitsvertrag kann befristet oder unbefristet geschlossen werden. Die Befristung muss schriftlich vereinbart werden.

  • Der Werkstudenten-Status endet mit Ablauf des Monats, in dem Sie das Ergebnis Ihrer letzten Prüfung offiziell erhalten, spätestens mit der Exmatrikulation. Danach gelten die vollen Sozialversicherungspflichten.

  • Auch Werkstudenten haben Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

  • Eine professionelle Vertragsprüfung schützt Sie vor nachteiligen Klauseln und sichert Ihren Werkstudenten-Status.

Die 20-Stunden-Regel: Arbeitszeit als Werkstudent

Die 20-Stunden-Regel ist das zentrale Element des Werkstudenten-Status. Sie bestimmt, ob ein studierender Arbeitnehmer als Werkstudent gilt und damit vom Werkstudentenprivileg bei der Sozialversicherung profitiert.

Grundregel: 20 Stunden während der Vorlesungszeit

Während der Vorlesungszeit darf die wöchentliche Arbeitszeit 20 Stunden nicht überschreiten. Diese Grenze soll sicherstellen, dass das Studium weiterhin im Vordergrund steht und die Erwerbstätigkeit nur eine Nebenbeschäftigung bleibt. Die 20-Stunden-Grenze bezieht sich auf die vertraglich vereinbarte und die tatsächlich geleistete Arbeitszeit.

Werden die 20 Stunden während der Vorlesungszeit dauerhaft überschritten, verliert der Student seinen Werkstudenten-Status. Er wird dann als regulärer Arbeitnehmer behandelt und unterliegt der vollen Sozialversicherungspflicht. Dies kann sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber erhebliche finanzielle Konsequenzen haben, da Sozialversicherungsbeiträge nachgefordert werden können.

Ausnahme: Semesterferien und vorlesungsfreie Zeit

In den Semesterferien, also der vorlesungsfreien Zeit, darf die Arbeitszeit auf bis zu 40 Stunden pro Woche erhöht werden, ohne dass das Werkstudentenprivileg verloren geht. Diese Ausnahme ermöglicht es Studierenden, in den Semesterferien mehr zu arbeiten und mehr zu verdienen. Die erhöhte Arbeitszeit darf jedoch nicht über das gesamte Jahr gesehen dazu führen, dass die Beschäftigung den Charakter einer Nebentätigkeit verliert.

Eine Vollzeittätigkeit in den Semesterferien ist zeitlich begrenzt. Nach den Grundsätzen der Sozialversicherungsträger ist eine Beschäftigung über 20 Stunden in den Semesterferien für maximal 26 Wochen innerhalb eines Zeitjahres unschädlich. Wird diese Grenze überschritten, besteht Versicherungspflicht ab Beginn der zu beurteilenden Beschäftigung oder ab dem Zeitpunkt, zu dem das Überschreiten erkennbar ist.

Ausnahme: Arbeit am Abend, in der Nacht oder am Wochenende

Die 20 Stunden sind eine Vermutungsgrenze, keine starre Obergrenze. Arbeiten Sie während der Vorlesungszeit mehr als 20 Stunden, aber überwiegend abends, nachts oder am Wochenende, kann der Werkstudenten-Status trotzdem erhalten bleiben, wenn Ihr Studium dadurch nicht beeinträchtigt wird. Darauf sollten Sie sich nur nach Rücksprache mit der Krankenkasse verlassen, denn bei einer Betriebsprüfung muss der Arbeitgeber belegen, dass das Studium im Vordergrund stand.

Zeitraum Wie viele Stunden? Was Sie beachten sollten
Vorlesungszeit Bis 20 Stunden pro Woche Mehr nur überwiegend abends, nachts oder am Wochenende
Semesterferien Auch Vollzeit möglich Zählt für die 26-Wochen-Grenze mit
Ganzes Zeitjahr Höchstens 26 Wochen mit mehr als 20 Stunden Rückblickend für zwölf Monate rechnen
Mehrere Jobs Stunden werden addiert Jeden Arbeitgeber über den anderen Job informieren

Mehrere Beschäftigungen parallel

Hat ein Werkstudent mehrere Beschäftigungen gleichzeitig, werden die Arbeitszeiten zusammengerechnet. Die 20-Stunden-Grenze gilt für die Gesamtarbeitszeit aus allen Beschäftigungen. Arbeitet ein Student beispielsweise bei zwei Arbeitgebern jeweils 12 Stunden pro Woche, überschreitet die Gesamtarbeitszeit von 24 Stunden die Grenze und das Werkstudentenprivileg geht verloren.

In der Praxis müssen die Arbeitgeber bei der Anmeldung zur Sozialversicherung angeben, ob der Student weitere Beschäftigungen ausübt. Eine falsche Angabe kann zu Nachforderungen führen. Als Werkstudent sollten Sie Ihren Arbeitgeber stets über weitere Beschäftigungsverhältnisse informieren.

Werkstudentenprivileg: Sozialversicherungsrechtliche Vorteile

Das Werkstudentenprivileg ist der zentrale Vorteil der Werkstudententätigkeit. Es befreit Werkstudenten von wesentlichen Sozialversicherungsbeiträgen und führt zu einem höheren Nettoverdienst im Vergleich zu regulären Beschäftigten.

Befreiung von Sozialversicherungsbeiträgen

Versicherungszweig Werkstudent Regulärer Arbeitnehmer
Krankenversicherung Befreit (studentische Versicherung) Pflichtversichert (14,6 % + ca. 2,9 % durchschnittl. Zusatzbeitrag in 2026)
Pflegeversicherung Befreit (studentische Versicherung) Pflichtversichert (3,6 % allgemein, mit Kinderlosenzuschlag 4,2 %)
Arbeitslosenversicherung Befreit Pflichtversichert (2,6 %)
Rentenversicherung Pflichtversichert (18,6 %) Pflichtversichert (18,6 %)
Unfallversicherung Arbeitgeber zahlt Arbeitgeber zahlt

Der Rentenversicherungsbeitrag von 18,6 Prozent wird je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen. Der Arbeitnehmeranteil beträgt also 9,3 Prozent des Bruttogehalts. Bei einem Stundenlohn von 16 Euro und 20 Wochenstunden, also einem monatlichen Bruttoverdienst von etwa 1.387 Euro, beträgt der Rentenversicherungsbeitrag des Arbeitnehmers rund 104 Euro, weil der Verdienst im Übergangsbereich liegt und der Arbeitnehmeranteil nach § 20 Abs. 2a SGB IV aus einem reduzierten Betrag von rund 1.122 Euro berechnet wird. Ein regulärer Arbeitnehmer würde bei gleichem Verdienst zusätzlich rund 133 Euro für Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zahlen (ca. 11,85 % AN-Anteil aus KV einschließlich Zusatzbeitrag, PV und AV nach Sätzen 2026, ebenfalls auf den reduzierten Betrag).

Voraussetzungen für das Werkstudentenprivileg

Das Werkstudentenprivileg setzt voraus, dass der Student an einer Hochschule oder Fachhochschule immatrikuliert ist. Das Studium muss im Vordergrund stehen und die Beschäftigung darf die 20-Stunden-Grenze während der Vorlesungszeit nicht überschreiten. Der Student darf sich nicht im Urlaubssemester befinden, da während eines Urlaubssemesters kein Werkstudentenprivileg besteht. Bei Promotionsstudierenden und bei sehr langer Studiendauer prüfen die Sozialversicherungsträger genauer, ob das Studium noch im Vordergrund steht. Klären Sie Ihren Status in diesen Fällen vorab mit der Krankenkasse, bei der Ihr Arbeitgeber Sie anmeldet.

Verlust des Werkstudentenprivilegs

Das Werkstudentenprivileg geht verloren, wenn die 20-Stunden-Grenze während der Vorlesungszeit dauerhaft überschritten wird, der Student exmatrikuliert wird, der Student sich in einem Urlaubssemester befindet oder das Studium nicht mehr im Vordergrund steht. Der Verlust des Privilegs führt zur vollen Sozialversicherungspflicht. Der Arbeitgeber muss die Statusänderung den Sozialversicherungsträgern melden und die Beiträge nachentrichten.

Vertragsgestaltung: Was muss im Werkstudenten-Vertrag stehen?

Der Werkstudenten-Arbeitsvertrag unterliegt denselben gesetzlichen Anforderungen wie jeder andere Arbeitsvertrag. Das Nachweisgesetz verpflichtet den Arbeitgeber, die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich oder, außer in Branchen nach § 2a SchwarzArbG, in Textform nachzuweisen. Darüber hinaus gibt es werkstudentspezifische Regelungen, die im Vertrag berücksichtigt werden sollten.

Pflichtangaben nach dem Nachweisgesetz

Der Werkstudenten-Arbeitsvertrag muss mindestens folgende Angaben enthalten: Namen und Anschriften der Vertragsparteien, den Beginn des Arbeitsverhältnisses und bei Befristung das voraussichtliche Ende, die vereinbarte Arbeitszeit einschließlich der Regelung zur 20-Stunden-Grenze, die Vergütung einschließlich Stundenlohn und Zahlungsmodalitäten, den Urlaubsanspruch, die Kündigungsfristen, eine Tätigkeitsbeschreibung und den Hinweis auf anwendbare Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen.

Arbeitszeitregelung

Die Arbeitszeitklausel ist im Werkstudenten-Vertrag besonders wichtig, da sie die Grundlage für das Werkstudentenprivileg bildet. Eine klare Formulierung könnte lauten: „Die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit beträgt während der Vorlesungszeit 20 Stunden. In den Semesterferien kann die Arbeitszeit auf bis zu 40 Stunden wöchentlich erhöht werden. Die konkrete Verteilung der Arbeitszeit wird in Abstimmung mit dem Arbeitnehmer festgelegt und berücksichtigt die Vorlesungszeiten.“

Vermeiden Sie Klauseln, die dem Arbeitgeber ein unbeschränktes Recht zur Erhöhung der Arbeitszeit einräumen. Solche Klauseln könnten dazu führen, dass die 20-Stunden-Grenze überschritten wird und das Werkstudentenprivileg verloren geht. Achten Sie auch auf Überstundenklauseln, die klarstellen sollten, dass Überstunden die 20-Stunden-Grenze nicht überschreiten dürfen.

Nachweis des Studentenstatus

Der Arbeitsvertrag sollte eine Klausel enthalten, die den Werkstudenten verpflichtet, seinen Studentenstatus regelmäßig nachzuweisen, etwa durch Vorlage einer aktuellen Immatrikulationsbescheinigung zu Beginn jedes Semesters. Diese Klausel schützt beide Seiten: Der Arbeitgeber kann sicherstellen, dass das Werkstudentenprivileg berechtigt ist, und der Student dokumentiert seinen Status.

Eine wirksame Klausel könnte lauten: „Der Arbeitnehmer verpflichtet sich, zu Beginn jedes Semesters eine aktuelle Immatrikulationsbescheinigung vorzulegen. Änderungen des Studentenstatus, insbesondere Exmatrikulation, Beurlaubung oder Studienfachwechsel, sind dem Arbeitgeber unverzüglich mitzuteilen.“

Vergütung und Mindestlohn

Werkstudenten haben Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn. Dieser gilt für alle Beschäftigungsverhältnisse, unabhängig von der Branche und dem Beschäftigungsumfang.

Gesetzlicher Mindestlohn

Seit dem 1. Januar 2026 beträgt der gesetzliche Mindestlohn nach der Fünften Mindestlohnanpassungsverordnung 13,90 Euro brutto pro Stunde, ab dem 1. Januar 2027 steigt er auf 14,60 Euro. Der Mindestlohn gilt auch für Werkstudenten und darf nicht unterschritten werden. In der Praxis zahlen viele Arbeitgeber Werkstudenten deutlich über dem Mindestlohn, insbesondere in technischen und IT-nahen Branchen, wo Stundenlöhne von 16 bis 22 Euro üblich sind.

Ausnahmen vom Mindestlohn

Der Mindestlohn gilt nicht für Pflichtpraktika, die in der Studien- oder Prüfungsordnung vorgeschrieben sind. Diese Praktika dienen primär der Ausbildung und sind Teil des Studiums. Freiwillige Praktika, die nicht in der Studienordnung vorgesehen sind, fallen dagegen unter den Mindestlohn, wenn sie länger als drei Monate dauern. Reguläre Werkstudententätigkeiten, bei denen der Student als Arbeitnehmer eingesetzt wird und Arbeitsaufgaben erfüllt, fallen immer unter den Mindestlohn.

Vergütungsberechnung und Gehaltsabrechnung

Die Vergütung von Werkstudenten wird in der Regel auf Stundenbasis berechnet. Die monatliche Bruttovergütung ergibt sich aus dem Stundenlohn multipliziert mit den tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden. Bei einem festen monatlichen Stundenvolumen kann auch ein Festgehalt vereinbart werden. In der Gehaltsabrechnung werden als Sozialversicherungsbeiträge nur die Beiträge zur Rentenversicherung ausgewiesen, nicht aber Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.

Urlaubsanspruch als Werkstudent

Werkstudenten haben wie alle Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Die Berechnung des Urlaubsanspruchs richtet sich nach der Anzahl der Arbeitstage pro Woche.

Berechnung des Urlaubsanspruchs

Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt 24 Werktage bei einer Sechstagewoche, was bei einer Fünftagewoche 20 Arbeitstagen entspricht. Bei weniger Arbeitstagen pro Woche wird der Anspruch anteilig berechnet. Die Formel lautet: Individuelle Arbeitstage pro Woche geteilt durch 5 multipliziert mit 20.

Arbeitstage pro Woche Gesetzlicher Mindesturlaub Typischer Vertragsurlaub
5 Tage 20 Arbeitstage 25-30 Arbeitstage
4 Tage 16 Arbeitstage 20-24 Arbeitstage
3 Tage 12 Arbeitstage 15-18 Arbeitstage
2 Tage 8 Arbeitstage 10-12 Arbeitstage

Achten Sie darauf, dass Ihr Arbeitsvertrag den gesetzlichen Mindesturlaub nicht unterschreitet. Bei flexiblen Arbeitszeitmodellen, bei denen die Arbeitstage von Woche zu Woche variieren, wird der Durchschnitt der Arbeitstage über einen repräsentativen Zeitraum zugrunde gelegt. Detaillierte Informationen zum Urlaubsanspruch finden Sie in unserem Ratgeber Urlaubstage im Arbeitsvertrag.

Urlaubsentgelt

Während des Urlaubs erhalten Werkstudenten ihr reguläres Entgelt. Das Urlaubsentgelt berechnet sich nach dem Durchschnittsverdienst der letzten 13 Wochen vor Urlaubsantritt. Bei einer gleichbleibenden Stundenzahl und einem festen Stundenlohn entspricht das Urlaubsentgelt dem regulären Arbeitsentgelt.

Befristung des Werkstudenten-Arbeitsvertrags

Werkstudenten-Arbeitsverträge werden häufig befristet geschlossen. Die Befristung unterliegt den allgemeinen Regelungen des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG).

Sachgrundlose Befristung

Eine Befristung ohne sachlichen Grund ist nach § 14 Abs. 2 TzBfG für maximal zwei Jahre zulässig, sofern nicht zuvor mit demselben Arbeitgeber bereits ein befristetes oder unbefristetes Arbeitsverhältnis bestanden hat. Innerhalb der zwei Jahre kann der Vertrag bis zu dreimal verlängert werden. Die Befristung muss vor Beginn des Arbeitsverhältnisses schriftlich vereinbart werden. Eine mündliche Befristungsabrede ist unwirksam, der Vertrag gilt dann als unbefristet geschlossen.

Befristung mit Sachgrund

Eine Befristung mit sachlichem Grund ist auch über zwei Jahre hinaus möglich. Typische Sachgründe sind die Vertretung eines abwesenden Mitarbeiters oder ein vorübergehender Bedarf für ein bestimmtes Projekt. Ob das Studium selbst eine Befristung rechtfertigt, hängt vom Einzelfall ab, in der Praxis wählen Arbeitgeber deshalb meist die sachgrundlose Befristung. Der Sachgrund muss im Vertrag angegeben werden und bei Vertragsschluss vorliegen.

Kettenbefristung und Missbrauchskontrolle

Aufeinanderfolgende befristete Verträge mit demselben Arbeitgeber werden als Kettenbefristung bezeichnet. Bei Sachgrundbefristungen gibt es grundsätzlich keine zeitliche Obergrenze, aber das Bundesarbeitsgericht prüft bei einer Gesamtdauer von mehr als sechs Jahren und mehr als neun Verlängerungen, ob ein Missbrauch vorliegt (BAG, Urteil vom 26.10.2016, 7 AZR 135/15). Bei einer sachgrundlosen Befristung ist eine erneute Befristung beim selben Arbeitgeber nach dem Vorbeschäftigungsverbot grundsätzlich ausgeschlossen.

Kündigung und Beendigung des Werkstudenten-Vertrags

Die Beendigung des Werkstudenten-Arbeitsvertrags folgt den allgemeinen arbeitsrechtlichen Regeln. Sowohl der Arbeitgeber als auch der Werkstudent können das Arbeitsverhältnis kündigen.

Kündigungsfristen

Ohne abweichende vertragliche oder tarifliche Vereinbarung gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen des § 622 BGB. In der Probezeit beträgt die Kündigungsfrist zwei Wochen. Nach der Probezeit beträgt die Grundkündigungsfrist vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats. Für den Arbeitgeber verlängern sich die Fristen mit zunehmender Betriebszugehörigkeit.

Kündigungsschutz für Werkstudenten

Das Kündigungsschutzgesetz gilt auch für Werkstudenten, sofern das Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate besteht und der Betrieb regelmäßig mehr als zehn Arbeitnehmer beschäftigt. In diesem Fall benötigt der Arbeitgeber einen Kündigungsgrund. Bei Betrieben mit zehn oder weniger Arbeitnehmern besteht kein allgemeiner Kündigungsschutz, aber die Kündigung darf nicht gegen Treu und Glauben oder das Maßregelungsverbot verstoßen. Bei einem Aufhebungsvertrag können beide Seiten das Arbeitsverhältnis einvernehmlich beenden.

Beendigung bei Exmatrikulation

Die Exmatrikulation beendet den Werkstudenten-Status, nicht aber automatisch das Arbeitsverhältnis. Ein unbefristeter Arbeitsvertrag läuft nach der Exmatrikulation weiter, allerdings unter veränderten Sozialversicherungsbedingungen. Der Arbeitgeber muss den Statuswechsel den Sozialversicherungsträgern melden. Maßgeblich ist dabei nicht erst die Exmatrikulation: Das Studium gilt mit Ablauf des Monats als beendet, in dem Sie das Ergebnis Ihrer letzten Prüfungsleistung offiziell schriftlich erhalten, und ab dem Folgemonat fallen die vollen Beiträge an. Eine vorläufige Bescheinigung kann genügen, das Datum der Zeugnisübergabe ist nicht entscheidend. Bewahren Sie den Nachweis auf, wann Ihnen das Ergebnis bekannt gegeben wurde.

Ist der Arbeitsvertrag kalendermäßig befristet, endet er zum genannten Datum. Eine Klausel wie „Der Vertrag endet mit Ablauf des Semesters, in dem die Exmatrikulation erfolgt“ knüpft das Ende dagegen an ein ungewisses Ereignis. Ob sie wirksam ist, hängt davon ab, ob ein Sachgrund sie trägt. In jedem Fall braucht sie die Schriftform, und das Arbeitsverhältnis endet frühestens zwei Wochen, nachdem der Arbeitgeber Sie schriftlich über den Eintritt des Ereignisses unterrichtet hat (§ 15 Abs. 2 und § 21 TzBfG).

Rechenbeispiel: Was bleibt als Werkstudent netto?

Wie viel das Werkstudentenprivileg wert ist, zeigt ein Vergleich bei 1.200 € brutto im Monat, etwa 18 Stunden pro Woche zu gut 15 € je Stunde. Gerechnet ist mit den Beitragssätzen 2026 für eine kinderlose Person über 23 Jahren in Steuerklasse I. Lohnsteuer fällt bei diesem Verdienst nicht an. Weil 1.200 € im Übergangsbereich liegen, werden die Arbeitnehmerbeiträge aus einem reduzierten Betrag von rund 855 € berechnet.

Beschäftigung Abzüge Sozialversicherung Netto
Werkstudentin, 1.200 € rund 79 € (nur Rentenversicherung) rund 1.121 €
Reguläre Beschäftigung, 1.200 € rund 186 € (alle Zweige) rund 1.014 €
Minijob, 603 € rund 22 € (Rentenversicherung, Befreiung möglich) rund 581 €

Die Werkstudentin hat damit rund 107 € im Monat mehr als eine regulär beschäftigte Person mit gleichem Brutto, im Jahr fast 1.300 €. Dafür zahlt sie ihre studentische Krankenversicherung selbst, sofern sie nicht mehr familienversichert ist, und baut keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld auf. Ob Ihr Stundenlohn den Mindestlohn einhält und was er im Monat ergibt, prüfen Sie mit dem kostenlosen Stundenlohnrechner.

Werkstudent vs. andere Beschäftigungsformen

Die Werkstudententätigkeit ist nicht die einzige Möglichkeit, neben dem Studium zu arbeiten. Ein Vergleich mit anderen Beschäftigungsformen hilft bei der Entscheidung für das richtige Modell.

Werkstudent vs. Minijob

Ein Minijob ist auf 603 Euro monatlich begrenzt (Stand 2026). Der Minijobber ist grundsätzlich rentenversicherungspflichtig (Eigenanteil 3,6 %), kann sich jedoch auf Antrag von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Zur Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zahlt er keine Beiträge. Für Studierende kann ein Minijob attraktiv sein, wenn sie wenig arbeiten möchten. Der Werkstudentenjob bietet dagegen die Möglichkeit, deutlich mehr zu verdienen, da keine Verdienstgrenze besteht. Wichtig: Eine gleichzeitige Werkstudententätigkeit und ein Minijob beim selben Arbeitgeber werden zusammengerechnet.

Werkstudent vs. Aushilfe

Eine Aushilfstätigkeit ist nicht auf Studierende beschränkt und bietet kein Werkstudentenprivileg. Aushilfen unterliegen der vollen Sozialversicherungspflicht, es sei denn, es handelt sich um einen Minijob. Der Werkstudenten-Status ist daher finanziell vorteilhafter, weil die Sozialversicherungsbeiträge erheblich geringer sind. Allerdings ist der Werkstudent an die 20-Stunden-Grenze während der Vorlesungszeit gebunden, was bei einer Aushilfstätigkeit nicht der Fall ist.

Werkstudent vs. Praktikant

Ein Praktikum dient primär dem Erwerb praktischer Kenntnisse und nicht der Erbringung von Arbeitsleistung. Bei einem Pflichtpraktikum besteht kein Anspruch auf Mindestlohn. Bei einem freiwilligen Praktikum ab drei Monaten gilt der Mindestlohn. Als Werkstudent sind Sie dagegen ein regulärer Arbeitnehmer mit vollen Arbeitnehmerrechten, einschließlich Kündigungsschutz, Urlaubsanspruch und Entgeltfortzahlung.

Checkliste: Werkstudenten-Arbeitsvertrag prüfen

  1. Prüfen Sie, ob die Arbeitszeitklausel die 20-Stunden-Grenze während der Vorlesungszeit klar einhält und die Semesterferienregelung enthält.

  2. Stellen Sie sicher, dass die Vergütung mindestens dem gesetzlichen Mindestlohn entspricht.

  3. Prüfen Sie den Urlaubsanspruch und vergleichen Sie ihn mit dem gesetzlichen Minimum für Ihre Arbeitstage pro Woche.

  4. Kontrollieren Sie die Befristungsklausel auf formale Wirksamkeit und Angabe des Sachgrundes.

  5. Achten Sie auf Klauseln, die eine Pflicht zur Vorlage der Immatrikulationsbescheinigung vorsehen.

  6. Prüfen Sie, ob Regelungen zu Überstunden die 20-Stunden-Grenze berücksichtigen.

  7. Stellen Sie sicher, dass alle Pflichtangaben nach dem Nachweisgesetz enthalten sind.

  8. Prüfen Sie, ob der Vertrag Regelungen für den Fall der Exmatrikulation enthält.

Typische Fehler in Werkstudentenverträgen sind eine Arbeitszeitklausel, die dem Arbeitgeber erlaubt, die Stunden einseitig zu erhöhen, eine Urlaubsregel, die bei weniger Arbeitstagen pro Woche unter das gesetzliche Minimum fällt, und eine Befristung, die erst nach Arbeitsbeginn unterschrieben wird. Wer den Vertrag nicht Punkt für Punkt selbst prüfen möchte, kann die Arbeitsvertragsanalyse von ProofDocs nutzen: Sie bewertet jede Klausel und zeigt kostenlos, wie viele davon ungünstiger als üblich sind. Die vollständige Bewertung mit Formulierungsvorschlägen kostet einmalig 14,99 €. Wenn Sie nach dem Studium beim selben Arbeitgeber bleiben, lohnt sich ein Blick auf den Beitrag zum unbefristeten Arbeitsvertrag.

Zusammenfassung

Der Werkstudenten-Arbeitsvertrag bietet Studierenden erhebliche Vorteile bei der Sozialversicherung und ermöglicht es, neben dem Studium wertvolle Berufserfahrung zu sammeln. Die 20-Stunden-Regel während der Vorlesungszeit und die Möglichkeit zur Vollzeitarbeit in den Semesterferien bilden den Rahmen für das Werkstudentenprivileg. Werkstudenten haben volle Arbeitnehmerrechte, einschließlich Mindestlohn, Urlaubsanspruch, Entgeltfortzahlung und Kündigungsschutz.

Besonders wichtig ist die korrekte Arbeitszeitgestaltung, da ein Überschreiten der 20-Stunden-Grenze zum Verlust des Werkstudentenprivilegs und zu erheblichen Nachforderungen bei der Sozialversicherung führen kann. Bei mehreren parallelen Beschäftigungen werden die Arbeitszeiten zusammengerechnet. Lassen Sie Ihren Werkstudenten-Arbeitsvertrag professionell prüfen, um sicherzustellen, dass alle Klauseln rechtlich einwandfrei sind und Ihr Werkstudenten-Status geschützt ist. Bei Fragen zu den arbeitsrechtlichen Grundlagen kann auch ein Anwalt für Arbeitsrecht weiterhelfen.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Stunden darf ein Werkstudent arbeiten?

Während der Vorlesungszeit bis zu 20 Stunden pro Woche, in den Semesterferien auch Vollzeit. Innerhalb von zwölf Monaten dürfen es höchstens 26 Wochen mit mehr als 20 Stunden sein. Mehrere Jobs werden zusammengerechnet.

Welche Sozialversicherung zahlt ein Werkstudent?

Werkstudenten zahlen nur den Arbeitnehmeranteil zur Rentenversicherung, also 9,3 Prozent. Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung fallen nicht an. Liegt der Verdienst zwischen 603,01 € und 2.000 €, wird auch dieser Rentenbeitrag aus einem reduzierten Betrag berechnet.

Was muss in einem Werkstudentenvertrag stehen?

Wie in jedem Arbeitsvertrag die Angaben nach dem Nachweisgesetz, also unter anderem Tätigkeit, Beginn, Vergütung, Arbeitszeit, Urlaub und Kündigungsfristen. Wichtig sind zusätzlich eine Arbeitszeitregel für Vorlesungszeit und Semesterferien und die Pflicht, die Immatrikulationsbescheinigung jedes Semester vorzulegen. Eine Befristung muss vor Arbeitsbeginn schriftlich vereinbart sein.

Gilt der Mindestlohn für Werkstudenten?

Ja, Werkstudenten haben Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 € brutto pro Stunde (Stand 2026), ab dem 01.01.2027 sind es 14,60 €. Ausgenommen sind nur Pflichtpraktika nach der Studienordnung und freiwillige Praktika bis drei Monate, nicht aber Werkstudententätigkeiten.

Hat ein Werkstudent Anspruch auf Urlaub?

Ja, mindestens 20 Arbeitstage bei einer Fünftagewoche, bei weniger Arbeitstagen anteilig, bei drei Tagen also 12 Urlaubstage. Während des Urlaubs wird der Durchschnittsverdienst der letzten 13 Wochen weitergezahlt.

Wann endet der Werkstudenten-Status nach dem Studium?

Mit Ablauf des Monats, in dem Sie das Ergebnis Ihrer letzten Prüfungsleistung offiziell erhalten, spätestens mit der Exmatrikulation. Ab dem Folgemonat zahlen Sie die vollen Sozialversicherungsbeiträge. Ein unbefristeter Vertrag läuft dabei einfach weiter.

Was passiert, wenn ein Werkstudent mehr als 20 Stunden arbeitet?

Werden die 20 Stunden in der Vorlesungszeit dauerhaft überschritten oder mehr als 26 Wochen im Jahr, entfällt das Werkstudentenprivileg. Dann werden Beiträge zu allen Zweigen der Sozialversicherung fällig, unter Umständen auch rückwirkend. Eine Ausnahme kann gelten, wenn die Mehrarbeit überwiegend abends, nachts oder am Wochenende stattfindet.

Quellen

Gesetze

Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts

  • BAG, Az. 7 AZR 135/15